Rede von Stefanie Then anlässlich der FRAPORT HV 2017

Sehr geehrter Herr Dr. Schulte,
Sehr geehrter Herr Weimar,
Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Stefanie Then. Ich komme aus Niederrad. Niederrad, das ist der Stadtteil, der am stärksten durch den Verkehr am Frankfurter Flughafen belastet ist. Bei Westwind ist unser Stadtteil die letzte Siedlung die überflogen wird, bevor die Flugzeuge auf der Landebahn Nordwest landen. Bei Ostwind ist unser Stadtteil die erste Siedlung, die beim Starten überflogen wird. Wir werden an 365 Tagen im Jahr überflogen. Jeden Tag von 5 bis mindestens 23 Uhr.

Im letzten Jahr habe ich auf der Hauptversammlung darüber berichtet, welche Schwierigkeiten wir in unserem wachsenden Stadtteil haben, einen geeigneten Standort für die neueinzurichtende Gesamtschule zu finden. Inzwischen wurde eine Lösung gefunden: Die neue Schule wird im Endausbau insgesamt drei verschiedene Standorte haben. Statt des einen großen Neubaus, wird die Schule und damit die Kinder über den Stadtteil verteilt werden. Das ist der Landebahn Nordwest geschuldet. Die einzig gute Nachricht dabei ist: Wir haben doch noch eine Lösung finden können. Optimal ist sie indes nicht.

Eine weitere wichtige Frage konnten wir allerdings noch nicht klären: Die Frage nach einem Standort für die dringend benötigte neue Grundschule für die Kinder, die künftig in der Bürostadt leben werden. Wir dürfen gespannt sein. Einfach wird es nicht diesen Ort in der Bürostadt zu finden. Denn da, wo der geeignete Platz wäre, da dürfen wir nicht bauen. Dieser Platz ist seit Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest Siedlungsbeschränkungsgebiet.

Ich berichte hier auf der Hauptversammlung über die Schwierigkeiten in unserem Stadtteil, weil ich finde, dass es für uns Eigentümer wichtig ist zu lernen, was der Flughafenausbau für die Region bedeutet und auf wessen Kosten die Dividende entsteht, die wir in diesem Jahr wieder ausgezahlt bekommen. Der Flughafen nimmt uns die Luft zum Atmen. Der Flughafen schränkt uns ein, unseren Stadtteil angemessen weiterzuentwickeln.

In Niederrad waren wir zuletzt sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung unserer Gesellschaft. Seit 2007 haben wir einen Rückgang von 30.000 Flugbewegungen gesehen. Der Löwenanteil des Rückgangs mit 20.000 Flugbewegungen entstand dabei erst nach Eröffnung der Landebahn Nordwest in 2011. Das bedeutet für die Region täglich 55 Schallereignisse weniger als noch vor fünf Jahren. Allerdings, so haben Recherchen von Stop Fluglärm ergeben, bedeutet das nicht unbedingt eine Entlastung der Landebahn Nordwest. Wir würden uns für unseren Stadtteil wünschen, dass wir hier künftig eine deutliche Entlastung erfahren.

Womit wir zuletzt absolut nicht einverstanden sind, das ist die Geschäftspolitik der Geschäftsführung unserer Gesellschaft. Anstatt das Unternehmen an die geänderten und rückläufigen Entwicklungen anzupassen, wird jetzt mit Ryan Air, das kann man sicher so sagen, der Beelzebub der Luftverkehrsgesellschaften an unseren Premiumflughafen gebracht. Und zwar mit deutlichen Rabatten. Wir verurteilen diese hypernervöse Entscheidung der Geschäftsführung, die einmal mehr versucht alle Felle zu retten. Schließlich hat sich keine einzige Prognose über den sogenannten Wachstumsmarkt Luftverkehr für unseren Flughafen bewahrheitet. Wir haben wie beschrieben seit 10 Jahren hier am Standort ein rückläufiges Geschäft. Aus diesem Grund muss auch die Frage gestellt werden, warum unser Miteigentümer und Hauptaktionär, das Land Hessen, der zugleich Genehmigungsbehörde ist, solche Rabattsysteme zulässt, anstatt endlich die Reißleine (vielleicht auch mit einem neuen Management?) zu ziehen und keine weiteren Investitionskosten in Terminal 3 absegnet. Gleichzeitig wäre die Umnutzung der Landebahn Nordwest die betriebswirtschaftlich deutlich sinnvollere Maßnahme und würde den Anwohnern durch deutlich weniger Lärm und Immissionen rund um den Flughafen zugute kommen. Die im Geschäftsbericht beschriebenen Aussichten muten nicht gerade hoffnungsstiftend für die nächsten Jahrzehnte an. Es wird Wachstum im Luftverkehr geben, aber nicht in Frankfurt. Wir begrüßen das.

Im Geschäftsbericht ist zu lesen, dass die in Deutschland erhobene Luftverkehrssteuer wettbewerbsverzerrend sei. Gibt es nur in Deutschland diese oder eine ähnliche Steuer? Und wenn ja, warum ist ausgerechnet die in Deutschland erhobene Luftverkehrssteuer wettbewerbsverzerrend?

Bitte erklären Sie das Incentive-Programm noch einmal detailliert in einfachen Worten, so dass es jeder verstehen kann. Erläutern Sie zudem ab welchem Zeitpunkt die eingekauften Flugbewegungen für unsere Gesellschaft kostendeckend sind.

Die teuer eingekaufte Ansiedlung von Ryan Air bedeutet vor allem Konkurrenz für die Bestandskunden der Fraport. Denn Ryan Air bedient identische Strecken. Ist mittel- und langfristig mit der Absiedlung von Bestandskunden zu rechnen und was würde das für die weitere Geschäftsentwicklung der Fraport bedeuten?

Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, dass durch die Übernahme der Flughäfen in Griechenland die Nettofinanzschulden unserer Gesellschaft um 1,1 Mrd. EUR ansteigen werden. Damit würde der Höchststand von 2014 mit 3,01 Mrd. EUR deutlich übertroffen werden und läge dann bei ca. 3,46 Mrd. EUR. Habe ich das richtig verstanden? Was würde das für die weitere Entwicklung unserer Gesellschaft bedeuten?

Ende nächsten Jahres laufen die Verträge im Bereich der Bodendienste mit der Lufthansa aus. Die Beziehung unserer Gesellschaft mit unserem Hauptkunden Lufthansa ist derzeit aufgrund der Ansiedlung von Ryan Air als angespannt zu bezeichnen. Erwarten Sie, Herr Dr. Schulte, den Abschluss von Anschlussverträgen zur Fortführung der Partnerschaft? Welche Auswirkungen sind für die Beschäftigten in diesem Bereich zu erwarten, sowohl im Falle der Fortführung als auch im Fall der Beendigung?

Rede vom 23.5.2017

Es gilt das gesprochene Wort

 

 

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